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Polyamorie in Amerika: Ein Schutz-Thema vorerst nur in einzelnen Städten

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

13. Okt. 2026 · @Dan Apus Monoceros


Am 15. September 2026 stimmte der Stadtrat von Seattle einstimmig dafür, Polyamorie, Pansexualität und Asexualität in den Katalog der geschützten sexuellen Orientierungen aufzunehmen. Das bedeutet, wer in Seattle künftig wegen einer Beziehung zu mehreren Partnern benachteiligt wird, kann sich beim städtischen Office for Civil Rights beschweren. Das Gesetz gilt ab Juni 2027 und erfasst Beschäftigung, Wohnen, Gewerbelizenzen, öffentliche Einrichtungen und die Arbeit der Polizei. Nach Zählung mehrerer Medien ist Seattle die zehnte US-Stadt mit einer solchen Regel (KUOW, LGBTQ Nation).

Amerika: Die Situation

Trump widerrief am 20. Januar 2025 die Executive Order seines Vorgängers, welche Diskriminierung wegen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität bekämpfen sollte; andere Rückschritte folgten. Was auf nationaler Ebene wie ein Armutsbekenntnis wirkt erhält aber Gegenwind auf kommunaler Ebene, wo die Entwicklung andersherum läuft.

Somerville in Massachusetts führte 2020 als erste Stadt eine Lebenspartnerschaft für mehr als zwei Personen ein, Cambridge und Arlington folgten 2021. Oakland und Berkeley verboten 2024 Diskriminierung wegen Familien- und Beziehungsstruktur, Olympia und Portland zogen 2026 nach (Littler, Harvard Crimson).

Weder auf Bundesebene noch auf der der Bundesstaaten hat Polyamorie einen Status und erst recht keinen Schutz (APA Division 44). Der Schutz entsteht dort, wo einzelne Stadträte ihn gegen den nationalen Trend beschließen können.

Die folgenden Städte haben speziellen Schutz für Polyamore Beziehungen: Sommerville, Cambridge, Arlington, Oakland, Berkley, West Hollywood, Seattle, Portland, Olympia


Warum Polyamorie Schutz braucht

Betroffen sind nicht wenige. Schätzungen für die USA gehen von rund 5 % der Erwachsenen aus, die aktuell in einer konsensuell nicht-monogamen Beziehung leben, und von über 20 %, die irgendwann Erfahrung damit hatten. Belastbare Zahlen für Deutschland fehlen mir.


Polyamorie: Schlechteres Image, bei ähnlicher Qualität

Die Diskriminierung steckt im Maßstab. Terri Conley und Kolleginnen ließen 1.101 Personen monogame und nicht-monogame Beziehungen bewerten. Monogamie schnitt bei 20 von 22 Merkmalen besser ab, von sexueller Gesundheit über Nähe und Vertrauen bis zu finanziellen Vorteilen (Psychology Today). Auch Menschen, die selbst nicht-monogam leben, bewerteten monogame Beziehungen günstiger (PMC).

Das Muster heißt Halo-Effekt: Monogamie gilt pauschal als besser, egal wie die konkrete Beziehung aussieht. Die reinen Daten sprechen aber dagegen.

In der Seattler Ratsanhörung berichtete ein Mann, der seit 26 Jahren in einer Beziehung zu viert lebt, von der ständigen Angst vor Nachteilen im Job (KUOW) oder die Angst eine Wohnung zu verlieren (Axios). Eine Umfrage der Organisation OPEN von 2025 mit rund 6.000 Teilnehmer*innen kommt zu dem Ergebnis, dass über 60 % der Befragten schon mal Stigmatisierung erfahren haben; 9,3 % berichten von Diskriminierung beim Wohnen, 6,7 % im Beruf (APA Division 44).

Im Gesundheitswesen zeigt eine kanadische Interviewstudie zu Schwangerschaft und Geburt, dass Partner außerhalb der biologischen Elternschaft übersehen und nicht berücksichtigt werden und sie Verurteilung durch die Behandelten fürchten (McMaster). Nach Angaben der Polyamory Legal Advocacy Coalition kann bei der Krankenversicherung nur ein Partner mitversichert werden und Gerichte unterstellen Eltern mit mehreren Partnern im Sorgerechtsstreit geringere Stabilität (PLAC). Wer ständig verbergen muss, wie er lebt, trägt außerdem ein gesundheitliches Risiko: APA Division 44 verbindet solches Stigma mit erhöhtem Risiko für Depression und Angststörungen.

Dahinter liegt ein strukturelles Problem: Das Recht ist auf die Zweierbeziehung gebaut. Seattles Menschenrechtskommission schrieb dazu, der Rechtsrahmen stamme aus einer Zeit, in der nur ein enger Familienbegriff galt (Advocate).


Gegenstimmen und wo der "feine Unterschied" ist.

Aber wieso werden alternative Beziehungsformen nicht weiter verfolgt? Hierzu gibt es unterschiedliche Gründe, die zum Beispiel wirtschaftlicher oder religöser Natur sind. Berkeley verfolgte einen solchen Schutz schon 2017 nicht weiter, aus Sorge, mehrere Partner eines Beschäftigten mitversichern zu müssen (Union-Bulletin). Religiöse Gruppen wie der California Family Council lehnen die Anerkennung ab, und konservative Medien setzen Polyamorie mit Mehrehe gleich.

Wenn wir uns aber anschauen, was passiert ist, so hat Seattle das Eherecht nicht geändert. Es hat Diskriminierungsschutz beschlossen. Durch solch einen Schutz braucht man nun auch keine Sorge vor einem Ansturm auf Registrierungen haben. In Somerville ist seit 2020 eine Registrierung möglich. Dort bestehen 487 Lebenspartnerschaften, 22 davon mit mehr als zwei Personen, also rund 4,5 %. Ob die neuen Schutzordnungen Diskriminierung tatsächlich senken, ist offen. Eine entsprechende Schutzregel für LGBTQ+-Personen zeigt sinkende Diskriminierung und besseres Wohlbefinden. Hoffen wir das auch für Nicht-Monogame Beziehungen.


Fazit

Auch wenn sich in Amerika gerade die Uhren eher rückwärts drehen, heißt das nicht, dass das gesamte Land diesen Weg mitgeht. Man sieht, dass vor allem einzelne Städte und Initiativen den Fortschritt und den Wandel der Zeit sehen und voran treiben.

Aber wie ist das in Deutschland und dem Rest der Welt?

In welcher Beziehungsform möchtest du leben und wie siehst du diese Entwicklung für dich?


 
 
 

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