Motzstraßenfest 2026: Wenn die Fetischwelt mitfeiert
- 14. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Am Wochenende vor dem CSD verwandelt sich der Regenbogenkiez wieder in ein Meer aus Farben: Am 18. und 19. Juli 2026 findet zum 32. Mal das Lesbisch-schwule Stadtfest statt, das in Berlin traditionell auch Motzstraßenfest genannt wird. Rund um den Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg verwandeln sich Motz-, Eisenacher-, Fugger- und Kalckreuthstraße auf über 20.000 Quadratmetern in sechs Bühnen und sechs Erlebniswelten. Veranstalter ist der Regenbogenfonds der Schwulen Wirte e.V., der sein Fest als größtes queeres Straßenfest Europas mit deutlich über einer halben Million Besucher*innen bewirbt. Motto in diesem Jahr: Gleiche Rechte für Ungleiche – weltweit!
Mittendrin: die Fetischwelt, die dem Fest eine kinky Note gibt und längst mehr ist als eine Randnotiz im Programm.

Die Fetischwelt: Leder, Rubber, Latex, Bondage, Puppyplay
Wer beim Motzstraßenfest nur Vereinsstände und Politik-Talk erwartet, kennt die Fetischwelt noch nicht. Der Veranstalter beschreibt sie auf seiner offiziellen Website als eine von sechs Erlebniswelten, in der Besucher*innen die Vielfalt der Sinne entdecken sollen. Vereine und Händler präsentieren sich dort rund um Leder, Rubber, Latex, Bondage und Puppyplay – ausdrücklich offen für Einsteiger*innen ebenso wie für erfahrene Szene-Kenner*innen. Verstanden wird sie als Ort für Austausch, Information und Inspiration rund um gelebte Fetischkultur.
BOXER-Bühne F: der Treffpunkt für Fetisch-Lovers
Neben dem Ausstellungsbereich hat die Fetischwelt mit der BOXER-Bühne F auch eine eigene Bühne, die der Veranstalter selbst so beschreibt: „Der Treffpunkt für Fetisch-Lovers und alle, die es selbstbewusst feiern." Los geht es an beiden Tagen ab 11 Uhr.
Am Samstag zeigt das Programm unter anderem: um 16 Uhr eine anfängerfreundliche Einführung in Rope Bondage und Old-Guard-Grundlagen mit Fokus auf Sicherheit und Consent, um 17 Uhr einen Fetish Social mit BLF, bei dem der amtierende Mr Fetish Berlin 2026 auf der Bühne begrüßt wird, und um 18:45 Uhr eine Runway-Show mit der neuen BOXER Fetish Collection. Dazwischen und danach sorgen DJ-Sets für Stimmung, bevor das Bühnenprogramm um 23 Uhr endet.
Der Sonntag beginnt ruhiger und wird ab 18 Uhr mit dem Animal Playground – einem Spielbereich für Puppies, Animals und Gearheads – wieder kinkyer. Um 18:30 Uhr folgt eine Performance von PP Maus, bevor DJ-Sets bis zum Ende des Bühnenprogramms um 21 Uhr übernehmen.
Wie stark sich das Programm von Jahr zu Jahr wandelt, zeigt der Rückblick: 2025, im ersten Jahr der BOXER-Bühne, standen laut einem Bericht des Tagesspiegel unter anderem ein Fetisch-Contest, eine Fashionshow, eine Puppy-Tanzshow und eine Bondage-Vorführung auf dem Programm.
Die anderen fünf Erlebniswelten
Neben der Fetischwelt gibt es fünf weitere Erlebniswelten: die Filmwelt, präsentiert vom Förderverein Teddy e.V., der mit den im Rahmen der Berlinale vergebenen Teddy Awards die wichtigsten Preise für queeres Filmschaffen auslobt; die Politikwelt mit demokratischen Parteien und ihren queeren Arbeitsgruppen; die Gesundheits- und Wellnesswelt Die Positiven mit Schwerpunkt HIV-Prävention und -Versorgung, unter anderem mit der Berliner Aids-Hilfe e.V. und ihrem Café Ulrichs; die Sportwelt mit queeren Sportvereinen und Fanclubs zum Mitmachen; sowie die Flintawelt, die Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nicht-binären, trans- und agender Personen eine eigene Bühne und Sichtbarkeit gibt.
Musikalisch sind laut offiziellem Programm KISS FM (Bühne B), FLINTA* (Bühne C), Sunshine Live (Bühne D) und die Queeren Medien (Bühne E) am Start. Auf der Stadtfestbühne A läuft samstags von 16:30 bis 18:30 Uhr traditionell die politische Talkshow Das wilde Sofa von Stadtfest-Mitbegründer Gerhard Hoffmann, 2026 unter anderem mit der Frauenrechtlerin, Anwältin und Imamin Seyran Ateş zu Gast, bevor dort ein Bühnenprogramm von Rock bis Pop übernimmt.
Eckdaten auf einen Blick
Termin: Samstag, 18. Juli, und Sonntag, 19. Juli 2026
Motto: Gleiche Rechte für Ungleiche – weltweit!
Ort: Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz, Berlin-Schöneberg
Öffnungszeiten: täglich ab 11 Uhr, Bühnenprogramm Samstag bis 23 Uhr, Sonntag bis 21 Uhr
Veranstalter: Regenbogenfonds der Schwulen Wirte e.V.
Alle offiziellen Infos, Lageplan und das vollständige Programm: stadtfest.berlin
Anreise und Sicherheit
Der Nollendorfplatz liegt zentral und ist gut mit der U-Bahn zu erreichen; mit dem Auto anzureisen, lohnt sich wegen der Straßensperrungen an beiden Tagen kaum. Da sich das Festgelände über mehrere Straßenzüge zieht, lohnt es sich, für Wege zwischen den Bühnen etwas Zeit einzuplanen.
Für Notfälle bietet der Veranstalter während der Veranstaltung einen telefonischen Stadtfest-SOS-Ruf an, über den Besucher*innen direkt Hilfe anfordern können. Bei akuter Gefahr oder gesundheitlichen Notfällen gelten daneben die allgemeinen Notrufnummern 112 (Feuerwehr/Rettungsdienst) und 110 (Polizei). Bei Diskriminierung oder Übergriffen im Regenbogenkiez ist zudem das schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO eine Anlaufstelle: Das Schwule Überfalltelefon ist täglich von 17 bis 19 Uhr unter 030-216 33 36 erreichbar.
Fazit
Das Motzstraßenfest bleibt der bunte, publikumsstarke Auftakt zum CSD-Wochenende in Berlin – und mit Fetischwelt und BOXER-Bühne hat sich ein Bereich etabliert, der dem Fest eine selbstbewusst kinky Facette hinzufügt. Das Bühnenprogramm für 2026 steht bereits fest; sobald der Regenbogenfonds die konkrete Ausstellerliste der Fetischwelt veröffentlicht, wird dieser Artikel ergänzt.
Quelle: stadtfest.berlin (offizielle Website des Regenbogenfonds der Schwulen Wirte e.V.); ergänzend: Der Tagesspiegel, maneo.de
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